Vater, Tochter, Sohn – alle drei sitzen oder saßen in der Bezirksversammlung Haaren und engagieren sich in der Kirchengemeinde und der freiwillige Feuerwehr. Wie geht das eigentlich? Ein Blick hinter den
vollen Terminkalender.
Es gibt Familien, die reden beim Abendessen über das Wetter. Bei den Kogels aus Verlautenheide laufen die Gespräche am Küchentisch etwas anders. Lokalpolitik, Ehrenamt und Feuerwehreinsatz – das ist hier Alltag. Und so ist es vielleicht keine große Überraschung, dass Tobias Kogel jetzt den Platz seiner Schwester Vanessa in der Bezirksversammlung Haaren eingenommen hat.
Vanessa war aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Tobias rückte nach – und ist damit das jüngste Mitglied der Versammlung. Noch im Herbst hatte Vater Franz-Josef Kogel als dienstältestes Mitglied die Sitzung eröffnet. Eine Familiengeschichte, wie sie das Stadtteilleben selten schreibt.
Alle drei sind oder waren nicht nur in der Bezirksversammlung aktiv, sondern auch in der Kirchengemeinde und bei der freiwilligen Feuerwehr. Wie schafft man das, ohne dabei auszubrennen? Vanessa ist ehrlich: Man muss sich Freizeit aktiv freischaufeln. Und man braucht einen Partner, der mitzieht – denn der Terminkalender ist meistens voll, die Abende oft
verplant. Besonders zehrend ist der Wahlkampf. Hunderte Termine, überzogene Kritik, persönliche Angriffe. „Man muss lernen, alles nicht so persönlich zu nehmen”, sagt Vanessa. Dass das zur Demokratie dazugehört, weiß sie – aber leicht ist es trotzdem nicht.
In der Bezirksversammlung Haaren hält die CDU fünf von elf Sitzen. Trotzdem gilt in Haaren seit jeher ein ungeschriebenes Gesetz: Am Ende findet man gemeinsame Lösungen. „Letztendlich wollen wir das Beste für den Bezirk erreichen.” Wenn es ein Thema gibt, bei dem die Versammlung kollektiv die Hände ringt, dann ist es die Kita-Situation. Der Spruch: „Wir wollen Bagger sehen!“, den Franz-Josef Kogel geprägt hat, bringt die Stimmung auf den Punkt: Man will endlich Ergebnisse sehen, keine weiteren Erklärungen, warum irgendetwas wieder länger dauert. Denn das ist die andere Seite des Ehrenamts in der Kommunalpolitik: Man rennt gegen Mauern, kämpft mit Bürokratie und wartet auf Rückmeldungen, die nicht kommen.
Und doch – wer glaubt, im Stadtrat oder der Bezirksversammlung die Welt im Handstreich verändern zu können, wird schnell ernüchtert. Die deutschen Verwaltungsprozesse laufen langsam. Aber manchmal, nach zähem Ringen, bewegt sich doch etwas. Und genau dafür machen die Kogels weiter.h nach 40 Jahren eine echte Familiengeschichte bleibt.

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